Prof. Dr. Eckart Altenmüller

Eröffnungsvortrag: Warum singen wir? Hirnphysiologische und evolutionäre Grundlagen der Musikliebe

Freitag, 10. Oktober, 19h30, Konzertsaal

Musik spielte zu allen Zeiten und spielt in allen Kulturen eine wichtige Rolle: Mit Musik werden mächtige Emotionen erzeugt, soziale Bindungen vertieft und organisiert und sogar therapeutische Ziele erreicht. Gerade die Stimme vereinigt magische Elemente, uralte kollektive Erfahrungen und höchst lebendige Eigenschaften voll neuer Klänge. Unsere Emotionen beim Hören von Gesang hängen stark von Lernprozessen ab und können durch Wissen und Kennen vertieft werden. Starke Emotionen, die zu einem „Gänsehauterlebnis“ führen, treten z.B. häufiger auf, wenn musikalische Strukturparameter erkannt werden. Besonders wirkungsvoll sind dabei überraschende Momente mit Verletzungen der musikalischen Erwartung, aber auch Informationen zum Hintergrund einer Komposition können die Wirkung vertiefen.

In dem Vortrag werden musikpsychologische und hirnphysiologische Befunde zu den Emotionen beim Hören von Stimmen vorgestellt. Die hirnphysiologischen Grundlagen emotionaler Wirkungen werden an Beispielen erläutert und ein Bezug zur Entwicklungsgeschichte des Menschen und der Rolle der Musik im „Überlebenskampf” hergestellt. Unser Modell geht davon aus, dass die emotionale Wirkung von Stimme und Musik mehrere evolutionäre Grundlagen hat. Zum Einen ist sie auf einem allen Säugetieren gemeinsamen Code affektiver Lautäußerungen (Schmerzensschreie, Wimmern, Seufzen) begründet, zum Anderen ist sie als „Erfindung” des Menschen vor einigen hunderttausend Jahren ausdifferenziert worden, wobei vermutlich der parallel verlaufende Spracherwerb hier eine wichtige Rolle spielte.


Eckart Altenmüller ist Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musiker-Medizin der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Nach dem Medizinstudium in Tübingen, Paris und Freiburg/Brsg. und dem zeitgleichen Musikstudium an der Musikhochschule Freiburg (Hauptfach Querflöte, Klasse Nicolèt, später Klasse Jaunet und Bennett) absolvierte er von 1985 bis 1994 an der Universität Tübingen die Facharztzeit für Neurologie und habilitierte sich 1992 im Fach Neurologie. Seit der Berufung nach Hannover 1994 sind zahlreiche Arbeiten zum auditiven und sensomotorischen Lernen, zu Musikererkrankungen und zur emotionalen Verarbeitung von Musik entstanden. Im Jahr 2005 wurde er zum Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften ernannt und zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musiker-Medizin gewählt, seit 2011 ist er Vizepräsident dieser Gesellschaft. Er erhielt den Wissenschaftspreis des Landes Niedersachsen 2013.

Eckart Altenmüller konzertiert in verschiedenen Ensembles mit Schwerpunkt auf Kammermusik und Neuer Musik.

Hinweis: Der Vortrag findet im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung statt. Karten erhalten Sie an der Tagungskasse zu 15 €, ermäßigt 10 €, Reservierung unter 0711 . 22 10 12 oder per Mail möglich.

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