Wolfgang Saus

Chorphonetik - wenn Vokale die Intonation steuern

Chorphonetik - wenn Vokale die Intonation steuern
(Foto: Claudiu Lazaciuc)

Samstag, 11. Oktober, 16h45, Kammermusiksaal
Hinweis: Weitere Veranstaltung mit Wolfgang Saus.

Der Vortrag bringt neues Licht in den Zusammenhang zwischen Intonation und Vokalfarbe. Mit Chorphonetik wird eine Gehör- und Stimmbildungsmethode vorgestellt, die Sängern die in Vokalen versteckten unbewussten Tonhöheninformationen bewusst und gesangstechnisch verfügbar macht. Chorleiter erhalten die vollständige Kontrolle über Intonation und Homogenität. Die Kontrolle ist so präzise, dass Komponisten die Klangfarbe auskomponieren können.

Die Vokalfarbe ist entscheidend für den Chorklang. Den meisten Sängern und Dirigenten ist nicht bekannt, dass Vokalformanten präzise Tonhöhen haben, denn in vielen Lehrbüchern werden sie noch irreführend als breite Frequenzbänder beschrieben. Wenn klassische Sänger lernen, die ersten zwei Vokalformanten als Tonhöhen wahrzunehmen und präzise zu steuern, werden Vokale zum Musikinstrument.

Im ideal homogenen Chorklang sind die Formanten bei allen Sängern innerhalb einer Stimmgruppe identisch. Wenn darüber hinaus der zweite Formant solche Teiltöne hervorhebt, die sich in den musikalischen Kontext fügen und gleichzeitig in anderen Stimmen vorkommen, dann entsteht auf völlig natürliche Weise reine Intonation.

Skript und Materialien finden Sie hier


Wolfgang Saus, Musiker, Wissenschaftler, Stimmforscher. Seine Musikwelt war Anfang der 1980er Avantgarde und Experiment. Unentschieden, ob seine Gesangskarriere oder die Wissenschaftlerlaufbahn den Vorrang bekommen sollte, betrieb er zunächst beides, studierte Chemie und bekleidete eine Forschungsleiterstelle. Während dieser Zeit arbeitete er u. a. mit Musikern wie Gidon Kremer, Georges Prêtre und Helmut Rilling und sang zeitgenössische Oper am Theater. Seine Faszination für den Obertongesang begann 1983, als er mit dem italienischen Jazz- und Obertonmusiker Roberto Laneri auf der Bühne stand. Eine tiefe Sehnsucht nach Klang, die die Obertöne in ihm weckten, veranlassten Wolfgang Saus 1994 die Chemie aufzugeben, um sich vollständig der Stimme widmen zu können. Er ist Innovationspreisträger der Klüh-Stiftung (1992) und des NiBB (2001), ist Autor des Fachbuchs „Oberton Singen“, und er entwickelt mit Bodo Maass die Klanganalysesoftware „Overtone Analyzer“. Mit Prof. Schreyer gründete er 2006 den experimentellen Europäischen Obertonchor. Zurzeit beschäftigen ihn die Weiterentwicklung einer neuen Chor- und Gesangsphonetik sowie die Etablierung von Obertongesang in der klassischen Musik.

www.oberton.org

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