Prof. Dr. Bernhard Richter

Chorgesang – gesundheitliche Aspekte

Chorgesang – gesundheitliche Aspekte

Samstag, 11. Oktober, 16.15 Uhr, Kammermusiksaal

Singen und Musizieren stellt eine der ältesten und ursprünglichen Formen menschlichen Ausdrucks und menschlicher Kommunikation dar. Schon in der Antike wurde Musizieren als wichtige Grundlage einer gesunden menschlichen Entwicklung angesehen. In Platons Schrift „Über den Staat“ finden wir Musizieren und Bewegung als zentrale Elemente einer gesunden Erziehung.

Auch wenn Singen und Musizieren grundsätzlich keiner weiteren Legitimation bedarf, so kann es doch interessant sein, die Frage zu stellen, welche Erkenntnisse zur gesundheitsförderlichen Wirkung des Singens aus medizinischer Sicht vorliegen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das Immunsystem durch aktives Singen im Chor gestärkt wird und dass das Singen hierbei zu vermehrter Ausschüttung von „Glückshormonen“, den Endorphinen, führt. Singen wirkt sich darüber hinaus positiv auf den ungestörten Ablauf und die Regulierung von wichtigen Körperfunktionen wie Atmung, Körperhaltung und Muskeltonus aus.
Befragungen erwachsener Laienchorsänger ergaben darüber hinaus positive psychosoziale Effekte des Chorgesangs auf soziale Aspekte wie Zusammensein mit anderen, Gemeinschaftserleben und emotionale Aspekte wie Stressabbau, Selbstbestärkung und Freude als Wirkungen des Singens.

Gerade für Kinder und Jugendliche ist Singen von großer Bedeutung, v.a. da die für die zwischenmenschliche Kommunikation wichtige sprachliche Ausdrucksfähigkeit durch das Singen entscheidend geschult wird. Im Gesang werden die für den Spracherwerb wichtigen Elemente wie Rhythmus, Tonhöhenvariation und Lautstärkemodulation (die sog. prosodischen Elemente), die für den emotionalen Ausdrucksgehalt der Sprache entscheidend sind, dem Kind in spielerischer Form präsentiert.

Jedoch ist auch die Stimmgesundheit des Einzelnen bei der gesundheitlichen Betrachtung des Chorgesangs von großer Wichtigkeit – insbesondere in Hinblick auf die Veränderungen der Stimme in der Lebenszeitperspektive.

Im Vortrag werden diese unterschiedlichen gesundheitlichen Aspekte des Singens im Chor anhand der neusten wissenschaftlichen Erkenntnis vorgestellt und mit den Zuhörern diskutiert.


Bernhard Richter, Jahrgang 1962, ist Professor für Musikermedizin am Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM). Neben seinem Medizinstudium in Freiburg, Basel und Dublin absolvierte er ein Gesangsstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg (Konzertexamen 1991). Nach zwei Facharztausbildungen zum HNO-Arzt und Phoniater (Stimmarzt) habilitierte er sich 2002. Im FIM ist er neben seiner Unterrichtstätigkeit im Bereich Stimmphysiologie und Hören vor allem für die medizinische Betreuung der Musiker und Sänger zuständig. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Stimmphysiologie bei Sängern und im Gehörschutz bei Orchestermusikern. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist er Autor des Buches „Die Stimme“ und Mitautor des Lehrbuches „MusikerMedizin“ sowie der DVD „Das Blasinstrumentenspiel“.

www.fim.mh-freiburg.de

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