PD Dr. Bettina Hitzer

Wie kommt das Gefühl in die Geschichte? Ansätze der historischen Emotionsforschung

Wie kommt das Gefühl in die Geschichte? Ansätze der historischen Emotionsforschung

Samstag, 3. November 2018, 16h30 – 18h00

Lange Zeit galten Gefühle in den Geschichtswissenschaften als größtenteils unbedeutende Randerscheinung, die nur in politischen Mobilisierungsprozessen oder als Teil des „Charismas“ eines politischen Führers eine größere Rolle spielten. Doch auch in diesen Fällen wurden Gefühle so behandelt, als hätten sie selbst keine Geschichte und blieben sich immer gleich. Diese Auffassung ist spätestens seit der Jahrtausendwende ins Wanken geraten. Nicht nur wird Gefühlen seither mehr Bedeutung zugeschrieben, sondern es wurde zunehmend erkannt, dass Gefühle durch Kultur und Geschichte geformt werden. Die vor fünfzig Jahren in der Bundesrepublik empfundene Angst, so ließe es sich beispielhaft auf eine schlichte Formel bringen, entspricht keinesfalls heute gefühlter Angst. Nicht nur die Objekte der Angst haben sich verändert, auch die Ausdrucksformen von Angst sind heute andere und selbst das Empfinden von Angst hat sich gewandelt.
Der Vortrag gibt einen Überblick über derzeit diskutierte Ansätze historischer Emotionsforschung und erklärt anhand konkreter Beispiele, warum Gefühle eine Geschichte haben und wie man diese Geschichte erkunden und schreiben kann.

PD Dr. Bettina Hitzer ist Historikerin, Leiterin der Minerva-Forschungsgruppe “Gefühl und Krankheit. Geschichte(n) einer komplizierten Beziehung” am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (Berlin) sowie Privatdozentin an der Freien Universität Berlin. Sie habilitierte sich 2017 an der FU Berlin mit der Arbeit Krebs fühlen. Die Emotionsgeschichte der Krebserkrankung im 20. Jahrhundert. 2016 erhielt sie den Walter-de-Gruyter-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Zu ihren Publikationen gehören: zusammen mit Alexa Geisthövel (Hg.), Auf der Suche nach einer anderen Medizin. Psychosomatik im 20. Jahrhundert (Suhrkamp, voraussichtlich 2018/19); zusammen mit Otniel Dror, Anja Laukötter, Pilar León-Sanz (Hg.), History of Science and the Emotions (Themenheft: Osiris 31, 2016); zusammen mit Pascal Eitler, Monique Scheer (Hg.), Feeling and Faith – Religious Emotions in German History (Themenheft: German History 32, 3, 2014); Hitzer, B., Emotionsgeschichte – ein Anfang mit Folgen. Forschungsbericht, in: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/2011-11-001.pdf (veröffentlicht: 23.11.2011); Hitzer, B. Gefühle heilen, in: U. Frevert et al., Gefühlswissen. Eine lexikalische Spurensuche in der Moderne, Frankfurt 2011, S. 121-151; zusammen mit Michael Häusler (Hg.), Zwischen Tanzboden und Bordell. Lebensbilder Berliner Prostituierter aus dem Jahr 1869, Berlin 2010.

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