Prof. Dr. Michael Fuchs

„Und – wer wollte keine Handschuhe?“ – Stimme und Emotionen bei Kindern und Jugendlichen

„Und – wer wollte keine Handschuhe?“ – Stimme und Emotionen bei Kindern und Jugendlichen
© Swen Reichhold

Samstag, 3. November 2018, 16h30 – 18h00

Die Funktion der Stimme als Träger emotionaler Informationen entwickelt sich bei Kindern in den ersten Lebensjahren mit der zunehmenden Differenzierung der Hirnfunktionen für die Wahrnehmung der eigenen und anderer Stimmen. Schon mit etwa einem halben Jahr können Kinder emotionale statische Körperpositionen entsprechenden Vokalisationen richtig zuordnen. Die Bezugspersonen der Kinder (Eltern, Familie, Pädagogen) sind stimmliche Vorbilder für die Kodierung und Dekodierung von Emotionen in der Stimme. Je differenzierter dies in der Alltagskommunikation gelingt, desto besser kann es von den Heranwachsenden reproduziert werden. Es ermöglicht ihnen, vokal authentisch zu agieren und die emotionalen Anteile der Stimme als wichtige Komponenten und Voraussetzungen für gelingende Beziehungen zu nutzen. Diesen Effekt kann eine erhöhte stimmliche Aktivität (z.B. regelmäßige Stimmbildung und Singen) über eine intensivierte Auseinandersetzung mit der Stimme verstärken. Kinder lernen so, Emotionen über den Gesang zu empfinden und insbesondere auf das Publikum zu übertragen. In der Pubertät gewinnt die Stimme im Rahmen der gesteigerten Selbst-wahrnehmung auch für das sich entwickelnde und verändernde Rollenbild an Bedeutung.

Prof. Dr. med. Michael Fuchs ist Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie und des Cochlea-Implantat-Zentrums am Universitätsklinikum Leipzig und Facharzt für HNO-Heilkunde und Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie. Geboren 1968 in Leipzig. In der Jugend Mitglied des Thomanerchores Leipzig. Studium der Humanmedizin an der Universität Leipzig. Privates Gesangsstudium bei KS Christa Maria Ziese. Studienaufenthalte in Berlin (Charité) und Wien (AKH). Promotion und Habilitation zur Entwicklung der Kinder- und Jugendstimme. Nach einem Ruf auf eine Universitätsprofessur an die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald 2009 Ernennung zum außerplanmäßigen Professor und Verleihung der Hochschullehrerrechte an der Universität Leipzig. Spezialisierte Betreuung von Sängern und Musikern mit Hör- und Stimmstörungen, spezialisierte Betreuung der Kinder- und Jugendstimme. Weitere klinische und Forschungsschwerpunkte: Lehrerstimme, Kopf-Hals-Onkologie, zentrale Hörverarbeitung. Operatives Spektrum in der Phonochirurgie. Umfangreiche nationale und internationale Vortrags- und Publikationstätigkeit. Lehraufträge für Stimmphysiologie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und der Hochschule für Musik Weimar sowie an der Universität Halle/Saale. Medizinischer Schulleiter an der Berufsfachschule für Logopädie des internationalen Bundes in Leipzig. Sächsischer Landesarzt für Menschen mit Hör-, Sprach-, Sprech- und Stimmbehinderungen. Mitglied des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie, des Collegium Medicorum Theatri, der Voice Foundation und des Beirates des Arbeitskreises Musik in der Jugend. Gründer und Leiter der Leipziger Symposien zur Kinder- und Jugendstimme, Herausgeber der Schriftenreihe »Kinder- und Jugendstimme«. Präsident des Förderkreises Thomanerchor Leipzig.Johannes-Zange-Preis der Nordostdeutschen Gesellschaft für Otorhinolaryngologie und zervikofaziale Chirurgie, Gerhard-Kittel-Medaille und Karl-Storz-Preis für akademische Lehre der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie.

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