Prof. Dr. Ines Bose, Dr. Grit Böhme und Clara Luise Finke

»Wenn man mitlächeln kann schon am frühen Morgen« Stimme und Emotionalität in Radio-Morningshows

»Wenn man mitlächeln kann schon am frühen Morgen« Stimme und Emotionalität in Radio-Morningshows

Samstag, 3. November 2018, 16h30 – 18h00

Anhand der Analyse verschiedener Sender aus ganz Deutschland sowie anhand qualitativer Interviews mit Radiohörer*innen und Programmverantwortlichen werden Trends stimmlich-sprecherisch erzeugter Emotionalität in Radio-Morningshows vorgestellt.
Hörer*innen schalten morgens das Radio ein, um in Schwung zu kommen und während ihrer Alltagsroutinen angenehm unterhalten zu werden. Entsprechend stellen Radio-Morningshows die Unterhaltung in den Vordergrund: Sie wollen vor allem gute Laune verbreiten – mit viel Musik, Witzen, Späßen, Comedys, Gewinnaktionen, klanglichen Verpackungselementen u.a.m. Mittels dieser Elemente soll dem Programm eine möglichst unverwechselbare Anmutung verliehen werden, die den affektiven Bedürfnissen des Zielpublikums begegnet.
Aufgabe der Moderator*innen in den Morningshows ist es, besondere Eindringlichkeit und Nähe zu ihren Hörer*innen zu erzeugen, so dass jede*r einzelne sich persönlich angesprochen fühlen und sich mit den Moderator*innen emotional identifizieren kann. Dafür inszenieren die Moderator*innen vielfach launige, quasi private Plaudereien mit alltagsbezogenen Themen in schnellem Wechsel, informeller und spontan wirkender sprachlicher Gestaltung sowie positiv emotional-erregtem Sprechausdruck. Auf diese Weise versuchen sie dem Bedürfnis der Stammhörer*innen zu entsprechen, hinter den Radiostimmen die Persönlichkeiten kennenzulernen und eine emotionale Vertrautheit aufzubauen.
Es entsteht eine quasi-persönliche parasoziale Beziehung, in der das Radio emotionales Aufgehobensein im sozialen Miteinander durch empfundene Nähe zu den Moderator*innen erbieten kann. Das Radio (und insbesondere seine Morningshows) erweist sich als Medium für Stimmungen, Gefühle, Einstellungen und Moden. Welche Beziehungsangebote angenommen werden, welche Anmutungen präferiert und welche Emotionen als authentisch empfunden werden, hängt stark von Einstellungen, Selbstpositionierungen und Nutzungsmotivationen der jeweiligen Hörer*innen ab.

Prof. Dr. Ines Bose ist diplomierte Sprechwissenschaftlerin. Von 1980 bis 1984 studierte sie Sprechwissenschaft und Germanistik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 1989 promovierte sie mit einer Arbeit zur phonetisch orientierten Forschung frei gesprochener Sprache. Ihre Habilitation folgte 2002 mit einer Arbeit zum stimmlich-artikulatorischen Ausdruck in kindlicher Spielkommunikation, Venia legendi für Sprechwissenschaft. Seit 2009 ist sie außerplanmäßige Professorin an der MLU (Statusgruppe Professoren). Ihre Forschungs- und Publikationsschwerpunkte umfassen die rhetorische Kommunikation, insbesondere die Medien- und Gesprächsrhetorik, die Phonetik der deutschen Sprache und die Entwicklung kindlicher Kommunikationsfähigkeiten. In der Fortbildung ist sie in den Bereichen Sprache und Sprechen in den Medien tätig und gibt Seminare zu Phonetik, Rhetorik und Sprecherziehung im Fremdsprachenunterricht.

Dr. Grit Böhme ist diplomierte Sprechwissenschaftlerin. Von 2004 bis 2010 absolvierte sie ihr Studium der Sprechwissenschaft und Phonetik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Von 2012 bis 2015 war sie Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und promovierte 2018 an der MLU zum Thema »Klingt wie Sputnik – Radiomoderationsstile aus Hörersicht«, entstanden im Rahmen des Projekts »Radioästhetik – Radioidentität« bei Prof. Dr. Ines Bose.

Clara Luise Finke ist Sprechwissenschaftlerin, M. A. Von 2006 bis 2012 absolvierte sie ihr Studium der Sprechwissenschaft und Phonetik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Von 2009 bis 2012 arbeitete sie als Redakteurin beim Mitteldeutschen Rundfunk und ist seit 2010 als freie Trainerin und Lehrbeauftragte für diverse Bildungseinrichtungen und Unternehmen tätig. Von 2013 bis 2016 war sie Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und hat 2018 an der MLU ihre Promotion zum Thema »Senderidentität und Alltagsästhetik. Radiomoderationen in der Primetime« eingereicht, entstanden im Rahmen des Forschungsprojekts »Radioästhetik – Radioidentität« bei Prof. Dr. Ines Bose. Seit 2017 ist sie Mitarbeiterin am Zentrum für Lehrer*innenbildung der MLU im Bereich Stimme und Kommunikation.

Der Vortrag wird von Frau Prof. Bose und Frau Finke gehalten

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