Prof. Dr. Eckart Altenmüller

Die Stimme als Emotionsträger: Neurobiologische und -psychologische Aspekte

Die Stimme als Emotionsträger: Neurobiologische und -psychologische Aspekte

Freitag, 2. November 2018, 11h30 – 13h00

Mit der Stimme werden mächtige Emotionen erzeugt und soziale Bindungen vertieft und organisiert. Die Stimme als das älteste Musikinstrument vereinigt magische Elemente, uralte kollektive Erfahrungen und höchst lebendige Eigenschaften voll neuer Klänge. Unsere Emotionen beim Hören von Stimmen hängen aber auch von Lernprozessen ab und können durch Wissen und Kennen vertieft werden. Starke Emotionen, die zu einem „Gänsehauterlebnis“ führen, treten in Liedern und Arien häufiger auf, wenn im Text Szenen dargestellt werden, die „letzte Dinge“ (Tod), „universale Werte“ (Loyalität, Gemeinschaft, Liebe, Treuebruch) berühren. Besonders wirkungsvoll sind dabei überraschende Momente mit Verletzungen der musikalischen Erwartung, aber auch Informationen zum Hintergrund einer Komposition können die Wirkung vertiefen.

Im Vortrag werden musikpsychologische und psychophysiologische Befunde zu den Emotionen beim Hören von Stimmen und bei der Erzeugung Stimmklangs vorgestellt. Die hirn-physiologischen Grundlagen emotionaler Systeme und Wirkungen werden an Beispielen erläutert und ein Bezug zur Entwicklungsgeschichte des Menschen hergestellt.

Prof. Dr. med. Eckart Altenmüller ist Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musiker-Medizin der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Nach dem Medizinstudium in Tübingen, Paris und Freiburg/Brsg. und dem zeitgleichen Musikstudium an der Musikhochschule Freiburg (Hauptfach Querflöte, Klasse Nicolèt, später Klasse Jaunet und Bennett) absolvierte er von 1985 bis 1994 an der Universität Tübingen die Facharztzeit für Neurologie und habilitierte sich 1992 im Fach Neurologie. Seit der Berufung nach Hannover 1994 sind zahlreiche Arbeiten zum auditiven und sensomotorischen Lernen, zu Musikererkrankungen und zur emotionalen Verarbeitung von Musik entstanden. Im Jahr 2005 wurde er zum Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften ernannt und zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musiker-Medizin gewählt, von 2011 bis 2017 war er Vizepräsident dieser Gesellschaft. Im Jahr 2013 erhielt er den Wissenschaftspreis des Landes Niedersachsen.

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