Lisa Eggert und Lydia Doliva

»Ach! der mein bloedes Hertz biß auff den Tod verwundt!« Inszenierungen von Emotionalität und Affektrhetorik in Andreas Gryphius Barocktrauerspielen

»Ach! der mein bloedes Hertz biß auff den Tod verwundt!« Inszenierungen von Emotionalität und Affektrhetorik in Andreas Gryphius Barocktrauerspielen

Freitag, 2. November 2018, 16h30 – 17h30

Wie kann Sprache Emotionen artikulieren, wenn die als Bühnentext konzipierten Versdramen von Andreas Gryphius (*1616-†1664) nur schriftlich vorliegen? Zwar sind Klang und Prosodie der Stimme in der Verschriftlichung nicht direkt abbildbar, dennoch finden sich, so die These, sprachliche Marker, welche die stimmliche Vermittlung von Emotionen auch im barocken Dramentext erkennbar werden lassen. Die gebundene Sprache der im Alexandriner verfassten, gereimten Dramen und die damit verbundene Disziplinierung der Stimme, stehen in Spannung zu gängigen Vorstellungen von Mündlichkeit allgemein und emotionalen Äußerungen im Besonderen, gelten diese doch als spontan, wenig regelhaft und in der Tendenz individuell statt standardisiert.
Entlang von Phänomenen der Affektrhetorik, Aspekten der Versifizierung (z.B. Reim, Metrum) und linguistischen Mündlichkeitsmarkern (z.B. Anakoluth, Interjektion) soll gezeigt werden, wie der Dramentext Emotionen inszeniert, ästhetisiert und so die Möglichkeiten ihrer Äußerung auf der Bühne formatiert. Der Vortrag stützt sich auf die korpusbasierten Untersuchungen des DFG-Forschungsprojektes »Interaktionale Sprache bei Andreas Gryphius: datenbankbasiertes Arbeiten zum Dramenwerk aus linguistisch-literaturwissenschaftlicher Perspektive«. In Zusammenarbeit der synchron orientierten Sprach- und der historisch arbeitenden Literaturwissenschaft werden sprachliche, dramaturgische und inszenatorische Phänomene markiert, typologisiert und als komplexe Formen emotionalen Ausdrucks erläutert.

Lydia Doliva studierte an der Folkwang Universität der Künste sowie der Universität Duisburg Essen (Germanistik, Musik, Bildungswissenschaften, Elementare Musikpädagogik), arbeitet im o.g. Projekt und promoviert zu dem Thema »Botanische Dichtkunst. Eine wissenspoetische Untersuchung zum Verhältnis von Pflanzenkunde und Literatur im 18. und 19. Jahrhundert«.

Lisa Eggert studierte Germanistik, Philosophie und Bildungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen, ist seit Oktober 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin im genannten Projekt und schreibt ihre Dissertation zum Thema »Schreiben vor Ort. Stipendiatenstätten und ihre Literatur«.

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