Prof. Dr. Juri A. Vasiliev / Markus Kunze

Klang der Sprechstimme im Rhythmus des Balancierens & einwirkende Resonanz. Eine Einführung ins Juri-Vasiliev-Training

Klang der Sprechstimme im Rhythmus des Balancierens & einwirkende Resonanz. Eine Einführung ins Juri-Vasiliev-Training

Samstag, 3. November 2018, 14h00 – 16h00

Einzelworkshop

Empfindungen – eine in der pädagogischen Praxis kaum genutzte Kategorie der schöpferischen Natur des Schauspielers. In Bezug auf das Schaffen des Schauspielers unterscheiden wir zwei Kategorien: reale Empfindungen und erdachte (fiktive) Empfindungen. Reale Empfindungen entstehen im System unserer Sinneswahrnehmungen in jedem Augenblick unseres Lebens und Schaffens, es sind die in unserer Wahrnehmung durch Reizimpulse der uns umgebenden Wirklichkeit hervorgerufenen Empfindungen. Erdachte Empfindungen sind direkt mit dem Wirken unserer Vorstellungskraft verbunden. Sie stammen aus dem taktilen Gedächtnis, aus Lebenserfahrungen, aus Erinnerungen. Erdachte Empfindungen werden größtenteils durch die schöpferische Phantasie des Schauspielers hervorgerufen. Im Training beeinflussen sie indirekt das Finden muskulärer Freiheit, erlauben das allmähliche Training professioneller Atem-, Stimm- und Sprechfertigkeiten. Erdachte Empfindungen helfen, die Bildungsmechanismen szenischen Stimmklanges zu erkennen. Damit alle Sinnesorgane des Schauspielers für die Wahrnehmung offen sind und in seiner Vorstellungskraft konkrete wie abstrakte Bildinhalte variieren können, nutzen wir die „Materie“ des Balancierens – die Empfindung endloser Bewegung. Balancieren – das ist das Aufrechterhalten des Gleichgewichts, ist die Möglichkeit geschärfter Empfindungen auf der Grenze zum Verlust des Gleichgewichts. Es bewirkt Varianten sinngleicher Absichten, Variationen der Themen in Bewegung und Klang, ein Variieren der Ausdrucksmöglichkeiten. Das Balancieren gibt uns die körperliche Freiheit, die Resonanz der Stimme als eine sich bewegende Erscheinung zu erfahren. D.h. die im Körper entstehende Resonanz kann lebendig und dynamisch in den Raum schwingen und so auf Partner und Zuschauer wirken. Die Grundlage theatraler Resonanz muss das räumliche Klingen der Sprechstimme sein. Resonanz klingt außerhalb des Körpers des Schauspielers. Es ist wichtig, im Training den Dialogcharakter des schauspielerischen Sprechens zu berücksichtigen. Die Ausbildung der Resonanz der Sprechstimme kann nur durch handelndes Sprechen und unter Bedingungen kommunikativen Sprechens, d.h. kommunikativer Resonanz erfolgen.

Juri Vasiliev wird von seinem Assistenten Markus Kunze unterstützt, der den Workshop übersetzt.

Prof. Dr. Juri A. Vasiliev ist Schauspieler, Regisseur, Schauspiel- und Stimmpädagoge, Professor an der Staatlichen Akademie für Theaterkunst St. Petersburg und an der Staatlichen Schule für Russisches Drama, Ordentliches Mitglied der Petrovskoi Akademie der Wissenschaften und Künste. Er ist in Leningrad geboren; absolvierte 1972 ein Schauspielstudium am dortigen Institut für Theater-, Musik- und Filmkunst. An die Ausbildung schloss sich eine Tätigkeit als Schauspieler in Pskov, Archangelsk und an verschiedenen Leningrader Bühnen an. Dissertation im Fach Phonetik, Bühnensprechen und Rezitation. Seit 1976 ist er Dozent, später Professor am Institut für Theater-, Musik- und Filmkunst (heute Theaterakademie St. Petersburg). Seit 1979 führt er Regie an verschiedenen Theatern St. Petersburgs und verbunden mit seiner internationalen Kurstätigkeit und Meisterklassen an Schauspielschulen inszeniert er in Russland, Deutschland, China, Südkorea, Schweiz, Tschechien und Österreich.

Markus Kunze studierte Schauspiel an der Staatlichen Theaterakademie St. Petersburg. Abschlussdiplom 2001 / Stipendiat des DAAD. Er arbeitet als freischaffender Schauspieler und Sprecher, dreht für Kino- und Fernsehproduktionen, inszeniert und leitet Theaterprojekte. Er unterrichtet Schauspiel und Bühnensprechen; u.a. Lehrbeauftragter an der Universität der Künste und an der Berliner Schule für Schauspiel. Gemeinsame Workshops mit Juri Vasiliev u.a. in Hamburg, Stuttgart, Leipzig und Stockholm.

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