Erkundungen zwischen Text und Bild

Prof. Dr. Jürgen Wertheimer bei der Auftaktveranstaltung am 25. Juni 2015 (Foto: die arge lola)

Schiller machte Comics. Kafka zeichnete. Picasso schrieb Theaterstücke. Aber wer »liest« Picasso oder »schaut« sich Schiller und Kafka an? Das kann nicht so bleiben. Die Akademie unternimmt deshalb gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Wertheimer von der Universität Tübingen und der Staatsgalerie Stuttgart eine Reihe von »Erkundungen«, welche die künstlerischen Disziplinen ungewöhnlichen miteinander in Verbindung bringen. In Zeiten der Überflutung mit Bildern ist der Dialog zwischen Wort und Bild besonders wichtig: Eine »Lesehilfe« für Betrachter, ein Logbuch für Kulturverbraucher und eine Schule der Wahrnehmung. Um den Blickwinkel zu erweitern werden im Verlauf eines Vortrags jeweils zwei Grenzgänger miteinander verglichen.

Rückblick 2017

Cy Twombly: Lingering at the threshold between word and image

Die ›Erkundungen zwischen Text und Bild‹, die wir in Kooperation mit der Staatsgalerie Stuttgart anbieten, führen diesmal in das rätselhafte malerische Werk des US-amerikanischen Künstlers Cy Towmbly. Bild und Graffiti, Zeichen, Listen Wörter, kleine Textfragmente geraten in seiner Kunst immer miteinander ins
Trudeln — Text wird Bild, Bild wird Text. Das Faszinosum beider Medien elektrisiert und führte Roland Barthes zu der Einschätzung, dass Leben und Werk des Künstlers sich in dieser besonderen Zeichenhaftigkeit auf poetische Weise verschränkten: »Die Schrift von Twombly lässt sich entziffern, aber nicht interpretieren; mögen die Striche als solche auch präzise, abgesetzt sein; sie haben nichtsdestoweniger die Funktion, dieses Vage wiederzugeben, das Twombly in der Armee daran hinderte, ein guter Entzifferer militärischer Codes zu sein.«

Rückblick 2016

Alfred Kubin und der expressionistische Umkreis

Nicht nur durch seinen Roman, auch aufgrund der Vielzahl seiner Illustrationen literarischer Werke und seiner starken Neigung zu Philosophie und Mythologie darf Kubin als einer der herausragenden Grenzgänger zwischen den Künsten gesehen werden. Auf je unterschiedliche Weise versuchen Bilder und Texte auf traumatische Erfahrungen und verstörende Wahrnehmungen zu reagieren und sie schreibend und malend zu bannen.

Rückblick 2015

Die Anatomie der Karikatur: Sprengstoff aus Wörtern und Bildern

Der tragische Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris hat es auf schreckliche Art bewiesen: Karikaturen können wie Sprengstoff sein. Anhand prominenter Beispiele wie Hogarth bis Daumier, von Goya bis Deix und Ungerer, werden Entwicklungslinien und der Versuch unternommen, den Wirkungen der satirischen Waffe der Karikatur näher zu kommen.

Comic und Skizze: Schiller und Goethe als Zeichner

Zugegeben ein eigenartiger Einstieg in die neue Reihe »Erkundungen zwischen Text und Bild«, ausgerechnet die beiden größten deutschen Dichter ausgerechnet von ihren zeichnerischen Versuchen her in den Blick zu nehmen. Dennoch, Schillers weitgehend tabuisierte Comics könnten zu einem neuen, weit weniger pathetischen Bild des immer noch als Idealisten gehandelten Klassikers führen. Wie auch die ungezählten Skizzen des »Weimaraners« Goethe eine Menge über dessen Klaustrophobien und Ängste aussagen und ihn uns auf eine ungewohnte Art näher bringen.

Kokoschka und Kafka: Schule der Wahrnehmung und Kunst der Verschlüsselung

Mehr als seine Bilder skandalisierten Kokoschkas Dramen. Beide Medien betrachtete er als Mittel, seine umstürzlerischen Attacken gegen eingefrorene Wahrnehmungsraster zu kommunizieren – später sollte daraus seine zugleich reflektierte und spontane Arbeit an der Schule der Wahrnehmung werden.

Kafkas weitgehend ignoriertes umfangreiches Skizzenwerk wiederum erweist sich bei etwas Aufmerksamkeit geradezu als Dechiffrierhilfe für ein genaueres Verständnis seiner angeblich so schwer zu verstehenden Texte.

Prof. Dr. Jürgen Wertheimer

Prof. Dr. Jürgen Wertheimer

Prof. Dr. Jürgen Wertheimer (Foto: Piper Verlag GmbH)

Jürgen Wertheimer ist Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik an der Universität Tübingen. 1994/95 war er Gastprofessor an der Université Paris. Seit dem Sommersemester 2008 ist Jürgen Wertheimer Mit-Initiator des Kooperationsprojekts Wertewelten. 2013 wurde er hierfür mit dem Grand Prix international de Laïcité/République geehrt.

Impressionen

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