Freitag , 28. September 2018 | 19h00, Akademie für gesprochenes Wort

Vortrag und Lesung zum 100. Todestag von Eduard Keyserling

An seinem 100. Todestag erinnert die Akademie für gesprochenes Wort an die Person des Schriftstellers und an sein zeitloses erzählerisches Werk.
Der Germanist Helmut Koopmann führt in Leben und Werk des Autors ein. Der Schauspieler Martin Bringmann wird verschiedene Texte aus dem Werk vortragen.

Eduard von Keyserling, geboren 1855 im lettischen Kurland, gestorben 1918 in München, gehört zu den bedeutenden impressionistischen Erzählern in der deutschen Literatur. In seinem Werk hat er einfühlsam die »spätherbstliche« Gefühls- und Lebenswelt des baltischen Landadels beschrieben, der, am Vorabend der russischen Revolution politisch wie auch sozial immer stärker ins Abseits geratend, an seinen kultivierten Lebensformen festhielt und darin gefangen blieb. Seine Romane thematisieren die seelischen Nöte und Sehnsüchte des kurländischen Adels und der mit ihm verbundenen Menschen. Feinsinnig wird von Keyserling dem überfeinerten aristokratischen Milieu die ländliche Welt der einfachen Dorfbewohner, den unerlösten Protagonisten seiner Romane immer wieder die Üppigkeit und Fülle der Natur entgegengestellt. In subtilen Schilderungen des adligen Milieus entlarvt er die Untauglichkeit der Haltung vieler seiner Standesgenossen, nostalgisch an dieser untergehenden Welt festzuhalten und in ihrem unerfüllten Leben zu verharren. In dieser unaufdringlichen Kritik, die begleitet ist von Trauer um den Verlust dieser Welt, erweist sich Eduard von Keyserling durchaus nicht als rückwärtsgewandter Autor des Fin de Siècle, sondern als der eines anbrechenden neuen Jahrhunderts.

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