Literarische Exkursionen

Jacob Philipp Hackert: Landschaft mit Tempelruinen auf Sizilien (1778)

Bei »Literarischen Exkursionen« wird Literatur vor Ort lebendig vermittelt.

Hölderlinreise 2020 Stuttgart-Bordeau

Im Jahr 2020 feiert die literarische Welt den 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin. So ausgreifend und weltumspannend sein Werk ist, so sehr spielte sich sein Leben in einem relativ kleinen Geviert zwischen Tübingen, Frankfurt, Jena und Regensburg ab. Nur wenige Male durchbrach er die Grenzen dessen, was er als sein Vaterland betrachtete. Im Winter 1801/1802 aber sieht er sich gezwungen, nach Bordeaux zu ziehen, “vielleicht auf immer”. Ihn trieb “die Herzens- und die Nahrungsnot”. In Frankreich hoffte er endlich die Existenz aufbauen zu können, die ihm zuhause immer versagt geblieben war.

Kein Land, kein literarisches Werk außer dem griechischen hat Hölderlin mehr beschäftigt und mehr bewegt als das französische. Diente Griechenland als Projektionsfläche idealischer Vorstellungen, so war Frankreich für ihn der Testfall realer Politik. In Paris und den von Frankreich beherrschten Ländern und Regionen musste sich zeigen, ob die Entwürfe der Aufklärung und die hoffnungsvollen, wenn auch blutigen Aufbrüche der Französischen Revolution sich erfüllen würden.
Das Vorhaben lässt sich gut an. Er wird freundlich empfangen und wohnt “fast zu herrlich”. Doch nach wenigen Monaten kehrt er plötzlich wieder zurück. Sein Zustand ist trostlos, er ist vollkommen erschöpft und erregt zugleich. Was war ihm widerfahren?

Die Studienreise geht den Spuren von Hölderlins Frankreichabenteuer nach, macht den langen Weg, das größte Stück von ihm zu Fuß zurückgelegt, erfahrbar, verdeutlicht die Rolle von Mömpelgard, Lyon und Bordeaux für Hölderlin und in der deutsch-französischen Geschichte. Sie lässt die politischen Geschehnisse um 1800 und die Naturerfahrung bis hin zum Blick aufs Meer aufscheinen, wie sie sich in Hölderlins Werk niedergeschlagen haben.

1. Tag: “– verbunden”: Stuttgart – Karlsruhe – Montbéliard/Mömpelgard als württembergische Besitzung in Frankreich, Tübinger Stiftsstipendiaten aus Mömpelgard als Informanten und Protagonisten der Französischen Revolution: Rundgang mit Bauten des württembergischen Baumeisters Heinrich Schickhardt, Schloss mit Abteilung zu Georges Cuvier (1769-1832), Altersgenosse Hölderlins, ausgebildet an der Hohen Karlsschule in Stuttgart, bedeutender Naturforscher und Bildungspolitiker um 1800. Übernachtung bei Montbéliard.

2. Tag: “er kann im Gedichte nicht leben”: Frankreich unter der Herrschaft Napoleons; Hölderlins Verhältnis zu Revolution und Napoleon; Errichtung der Italienischen Republik in Lyon 1801; Beinahezusammentreffen von Dichter und Herrscher. Weiterfahrt nach Lyon: Rundgang durch die Weltkulturerbestadt mit Besuch des Musée Gadagne und der rue Emile Zola, wo Hölderlin Quartier nahm; Führung durch die teilweise privaten Gänge (Traboules) des Vieux Lyon und Fahrt mit dem Funiculaire zur Basilique Notre Dame de Fourvière; Abendessen in einem traditionellen Bouchon Lyonnais. Übernachtung in Lyon-Villeurbanne.

3. Tag: “auf den gefürchteten Höhen der Auvergne”: Über Clermont-Ferrand durch die Auvergne mit Zwischenstation auf dem Puy de Sancy (Blick über die Vulkanlandschaft) nach Bordeaux: Gang über den Pont de Pierre. 3 Übernachtungen in Bordeaux.

4. Tag: “die Gärten von Bourdeaux”: Rundgang durch die Stadt zu den Plätzen, an denen Hölderlin gelebt hat: Allées de Tourny mit Haus seines Dienstherrn Konsul Meyer, Börse, Chartrons mit den Weinlagern der Bordelaiser Kaufleute. Besuch der Cité du Vin in Bordeaux (neues, stilbildendes Museum zur Weingeschichte und -kultur in auffallender Architektur). Abendessen in einem Bordelaiser Restaurant.

5. Tag: “Dort an der luftigen Spitz”: Fahrt ins Médoc, Besuch des Meyerschen Landgutes in Blanquefort, dann die Gironde entlang an die Pointe de Grave, die Mündung der Gironde ins Meer, und weiter zur romanischen Basilika von Soulac-sur-Mer, Station der Pilger auf dem Jakobsweg von England her. Abendessen auf einem Château mit Weinprobe.

6. Tag: “des dunklen Lichtes voll”: Vormittags Musée des Beaux Arts und Stadtrundgang zu Relikten des Sklavenhandels. Fahrt zur Übernachtung nach Meung-sur-Loire, nach dem Abendessen Lesung des Berichtes “Eine Vermuthung” (1856) von Moritz Hartmann, die bei Tours spielt.

7. Tag: “Der ruhigwandelnden Töne voll”: Lunéville (Residenzstadt der Herzöge von Lothringen, wo 1801 der Frieden von Lunéville geschlossen wurde, Ausgangspunkt für Hölderlins Gesang “Friedensfeier”) – Karlsruhe – Stuttgart.

Leitung: Prof. Dr. Thomas Knubben
Abreise: Montag, 21. September 2020
Rückreise: Sonntag, 27. September 2020 (7 Reisetage)
Abfahrt: 8.00 Uhr Stuttgart-Weilimdorf, S-Bahnhof (Rückkehr ca. 20.00 Uhr)
Ihre Abholzeit mit dem Taxiservice entnehmen Sie bitte den Reiseunterlagen.
Zustieg: 9.00 Uhr Karlsruhe, Busbahnhof hinter dem Hauptbahnhof (Rückkehr ca. 19.00 Uhr)

Leistungen:

- Taxiservice
- Fahrt im modernen Reisebus
- fachlich qualifizierte Reiseleitung
- 6 Übernachtungen mit Frühstück in guten Mittelklassehotels, Zimmer mit Dusche/WC
- ggf. Kurtaxe/Tourismusabgabe
- 6 Abendessen, teils in den Hotels, teils in Restaurants
- Weinprobe beim Abendessen am 5. Tag
- Fahrt mit der Seilbahn auf den Puy de Sancy
- alle Führungen
- alle Eintrittsgelder
- Stornokosten-Versicherung

Preis:

€ 1.850,- pro Person im Doppelzimmer
€ 2.145,- pro Person im Einzelzimmer

Außer beim Frühstück und bei der Weinprobe zum Abendessen am 5. Tag sind Getränke zu den Mahlzeiten nicht im Reisepreis enthalten.

Unverbindliche Zeitangaben, Änderungen vorbehalten

Anmeldung über den Schwäbischen Heimatbund unter Tel. 07112394211,E-Mail.

In Zusammenarbeit mit dem Schwäbischen Heimatbund.

Literarische Exkursion nach Sizilien, 14. bis 24. September 2017

Literarische Exkursion nach Sizilien, 14. bis 24. September 2017
Die Agrigentineraber dies gilt für fast alle griechischen Städte Siziliensessen, als ob sie morgen sterben, und sie bauen, als ob sie ewig leben sollten.
(Empedokles)

Das antike Sizilien ist aufs Engste mit der Geschichte und Kultur des griechischen Mutterlandes und dem Aufstieg Roms zur Weltmacht im Mittelmeerraum verbunden. Ob als Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen im Peloponnesischen Krieg, während der Konflikte zwischen Griechen und Karthagern oder in den Punischen Kriegen, als Geburtsstätte der antiken Rhetorik, als Heimat griechischer Tyrannen und großer Künstler, als Tatort der Verbrechen des römischen Statthalters Verres oder als Refugium römischer Eliten – Sizilien ist ein Reiseziel mit großer historischer Tiefe.

Kommen Sie mit der Akademie für gesprochenes Wort auf eine elftägige literarische Reise zu den bedeutendsten und schönsten archäologischen Ausgrabungsstätten und Erinnerungsorten auf Sizilien.

Prof. Dr. Peter Scholz (Historisches Institut an der Universität Stuttgart) leitet die Reise fachkundig. Er stellt die historischen Konflikte der Griechen mit der vorgefundenen einheimischen Bevölkerung und mit den Karthagern ebenso vor wie die Etablierung der römischen Herrschaft auf der Insel.

Er führt die Gruppe durch die reichen archäologischen Überreste und verknüpft diese mit Berichten aus der antiken Literatur und Geschichtsschreibung. Er verfolgt die vielfältigen literarischen Spuren, die nicht nur antike Autoren wie Pindar, Gorgias oder Theokrit, sondern auch neuzeitliche Reisende wie Riedesel, Goethe, Hackert und Seume, aber auch einheimische Schriftsteller wie Pirandello und Tomasi di Lampedusa auf Sizilien, dem homerischen Trinakria, hinterlassen haben.

Tag 1: Anreise am 14. September
Flug von Stuttgart nach Catania
Bustransfer zum Hotel
Rundgang durch die Altstadt (Ortygia) in Syrakus

Tag 2
Syrakus (Theater, Altar des Hieron II., Steinbrüche)

Tag 3
Museum in Syrakus, Ausgrabungen von Megara Hyblaia und spätantike Villa von Piazza Armerina

Tag 4
Ausgrabungen von Morgantina, Stadtmauer von Gela, Fahrt nach Agrigent und Rundgang durch die Altstadt (Akropolis)

Tag 5
Museum in Agrigent und Tal der Tempel

Tag 6
Ausgrabungen von Heraclea Minoa und Selinunt (Tempel, Demeter Malophoros-Heiligtum und Befestigung)

Tag 7
Ausgrabungen von Selinunt (Tempel, Demeter-Heiligtum und Befestigung)

Tag 8
Bootsfahrt nach Mozia und Besichtigung der Insel, Besichtigung des Tempels und Theaters von Segesta

Tag 9
Ausgrabungen auf dem Monte lato und Besichtigung des Museums in Palermo

Tag 10
Kathedrale von Monreale und Ausgrabung in Solunt

Tag 11: Abreise am 24. September
Bustransfer zum Flughafen
Flug von Catania nach Stuttgart

Rückblick

Reisen in Griechenland. Die Peloponnes, 2014

Reisen in Griechenland. Die Peloponnes, 2014

Epidauros, Amphitheater

Im September 2014 führte die Exkursion auf die Peloponnes: Delphi, Olympia, Nema und Korinth, die großen Festspielorte, an denen alle vier Jahre zu Ehren der Götter panhellenische Spiele abgehalten wurden, wurden ebenso besucht wie die altehrwürdigen mykenischen Burgen von Mykene und Tiryns, die einzigartig gut erhaltene Stadtanlage des antiken Messene, der wunderbar konservierte klassische Apollon-Tempel in Bassai, der antike Kurort Epidauros oder das Hafenstädtchen Nafplio mit seiner gut erhaltenen Altstadt, zwischen 1829 und 1834 kurzzeitig Hauptstadt Griechenlands.

Prof. Scholz und Herr Winkle führten die Gruppe durch die archäologischen Hinterlassenschaften, Bauwerke, Monumente und Museumsobjekte, erläuterten anhand ausgewählter literarischer Texte und Inschriften deren ursprüngliche Funktion und Bedeutung, wiesen aber auch zugleich auf die Schwierigkeiten der historischen Rekonstruktions- und Aussagemöglichkeiten hin.

Peter Scholz und Christian Winkle begründeten 2012 auch die Reihe Gesprochene Antike in Kooperation mit der Akademie.

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