Dr. Guntram Zürn

Tradition und Aktualität des Pathos: Ein Sprechstil aus der Mode?!

Tradition und Aktualität des Pathos: Ein Sprechstil aus der Mode?!
Foto: Privat

Samstag, 1. Oktober 2016, 16h30 – 17h30

Am Anfang steht das Pathos!

Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Rekonstruktion des Begriffs Pathos und seine Funktion als zentrales Überzeugungsmittel der Rhetorik. Dabei wird auch der pathetische Sprechstil beleuchtet. Da das Pathos heute einem steten Manipulationsverdacht unterliegt, als Bezeichnung eher abwertend gebraucht wird und trotzdem ungebrochen in poetischer, journalistischer oder politischer Rede Anwendung findet, werden bestimmte Mittel des Pathos genauer dargestellt.

Der Vortrag setzt mit einer Bestimmung des Pathos an dessen Wurzeln an. Die Geschichte des heutzutage als problematisch wahrgenommenen Pathos beginnt mit Aristoteles. Bei ihm bezeichnet das Pathos zweierlei: Zum einen den Teil der Tragödie, der im Zuschauer die Gefühle des »Jammerns und Schauderns« hervorruft, also die Katharsis erzeugen soll. Es steht somit am Anfang der Ästhetik. Zum anderen ist es eines der drei Überzeugungsmittel der Rede, das nach Aristoteles dazu dient, den Zuhörer in eine bestimmte Gefühlslage zu versetzen. Ausgehend von dieser Bestimmung zeichnet der Vortrag historisch-kritisch Entwicklungslinien des Pathos, des pathetischen Sprechens und seiner Mittel. Sie reichen von Schillers »Über das Pathetische« (1793) und dessen Begriff der Freiheit über eindrückliche Beispiele von Pathos in aktuellen Reden zur Flüchtlingsthematik hin zum Pathos als Unterhaltungsmittel im zeitgenössischen Hollywoodfilm.

Zur Diskussion steht die ungebrochene Verwendung des Pathos, aller Kritik zum Trotz.

Dr. phil. Guntram Zürn hat an der Universität Stuttgart Physik, Politologie und Literaturwissenschaft studiert und schloss 2004 mit dem Magister Artium ab. Seine Dissertation in Komparatistik behandelt Reisebeschreibungen Italiens und Frankreichs im »Morgenblatt für gebildete Stände«. In der Zeit von Studium und Promotion war er als freier Journalist im Kulturbereich tätig.

Seit dem Wintersemester 2007/2008 arbeitet er als Dozent für Germanistik am Institut für Sprechkunst und Kommunikationspädagogik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Er wirkt auch als Leiter des Fachbereichs Deutsch am Privaten Gymnasium Esslingen (staatlich anerkannt) und unterrichtet dort die Fächer Deutsch und Gemeinschaftskunde. Regelmäßig hält er Vorträge und gibt Workshops zur Literaturvermittlung, unter anderem an der Akademie für gesprochenes Wort und bei den Internationalen Stuttgarter Stimmtagen.