Ao. Univ. Prof. Dr. Berit Schneider-Stickler

Zur Intonation im klassischen Sologesang aus medizinischer Sicht

Zur Intonation im klassischen Sologesang aus medizinischer Sicht
Foto: Privat

Samstag, 1. Oktober 2016, 16h30 – 17h30

Diese Studie wendet sich dem Thema der Intonation bei Sängern in dem Wissen zu, dass Mediziner, Sänger und Gesangsexperten (unter anderem Gesangspädagogen) durchaus unterschiedliche Auffassungen zu diesem Thema vertreten.

Im Falle von Stimmproblemen gehört die perzeptive Beurteilung eines Gesangsvortrages neben der Laryngostroboskopie, Erfassung physiologischer Stimmleistungsgrenzen mit Hilfe der Stimmfeldmessung und akustischen Stimmklanganalysen zur stimmdiagnostischen Abklärung im Klinikbetrieb. Ziel der Studie war die Beurteilung der Intonationsgenauigkeit bei stimmgesunden klassischen Sängern unterschiedlicher Alters- und Ausbildungsstufen. Es konnten Gesangsaufnahmen von je zwei Repertoirestücken von 26 Sängern (16 weibliche und 10 männliche Sänger) ausgewertet werden. Sechs Probanden waren »Anfänger«, zehn Probanden »Fortgeschrittene« und zehn Probanden »Profis«. Die Gesangstücke wurden einerseits a cappella und andererseits mit Keyboard-Begleitung (über offene Kopfhörer) aufgenommen. Von beiden Gesangsstücken, wurden jeweils die ersten 100 Noten mit Hilfe des Freeware-Programms »praat« (Boersam et Weenik 2015) anotiert.

Zwischen den drei Gruppen ließen sich keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich der Intonationsungenauigkeiten feststellen. Alle drei Gruppen zeigen im a cappella-Gesang mehr Fehler hinsichtlich der absoluten Tonhöhen der einzelnen Noten, die aber in der Betrachtung der Intervallgenauigkeit nicht mehr wesentlich auffallen. Es konnte eine deutliche Korrelation zwischen der Intonationsgenauigkeit und der Notenlänge sowohl bei den Anfängern und Fortgeschrittenen als auch bei den Profis festgestellt werden. Längere Noten wurden sauberer und intonationsreiner gesungen als kurze Noten.

Die Beurteilung der Intonation von klassischen Sängern ist nicht nur für die gesangspädagogische Betreuung von Sängern, sondern auch für Mediziner und Logopäden von großer Bedeutung. Es bleibt abzuklären, wie Sänger mit Stimmstörungen hinsichtlich der Intonation im Gesangsvortrag agieren.

Ao. Univ. Prof. Dr. Berit Schneider-Stickler studierte von 1987 bis 1994 Humanmedizin in Berlin und absolvierte parallel dazu in den Jahren 1990 bis 1995 ein Musikstudium mit Hauptfach Klassischer Gesang. Ihre Ausbildung zum Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde erhielt sie an der Univ.-Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Charité, Humboldt-Universität zu Berlin und an der Univ.-Hals-Nasen-Ohren-Klinik Essen von 1994 bis 1998. Im Anschluss wechselte sie 1999 an die Klinische Abteilung Phoniatrie-Logopädie der Univ.-Klinik für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten Wien und absolvierte eine Zusatzfachausbildung Phoniatrie. Derzeit ist sie als stellvertretende Ärztliche Leiterin dieser Abteilung tätig.

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