Anne-May Krüger

»›Unmenschliche‹ Instrumentaleffekte in exponierter Lage« – Alfred Wolfsohns Vokalarbeit

»›Unmenschliche‹ Instrumentaleffekte in exponierter Lage« – Alfred Wolfsohns Vokalarbeit
Foto: Michael Fritschi

Donnerstag, 29. September 2016, 17h30 – 18h30

Alfred Wolfsohn (1896 bis 1962) entwarf im 20. Jahrhundert in den dreißiger Jahren bis sechziger Jahren mit der unchained voice ein bis dahin unerhörtes Vokalkonzept. Seine Schüler, zu denen auch Roy Hart (1926 bis 1975) gehörte, für den unter anderem Peter Maxwell Davies’ »Eight Songs for a Mad King« (1969) entstanden, wiesen Tessituren von über sechs Oktaven auf und waren in der Lage Mehrklänge zu produzieren. Diese »Stimmen der Zukunft« erschienen parallel zu wichtigen technischen Entwicklungen und entsprachen offenbar jener Zeit des Fortschrittsglaubens, den beispielsweise auch Aldous Huxley in Briefen an Wolfsohn bezeugt. Die Hintergründe dieser Vokalarbeit sind vielschichtig und bisher kaum kritisch aufgearbeitet worden. Wesentliche Impulse für Wolfsohns Arbeit, die zunächst als Selbsttherapie begann, stammen aus den Lehren C. G. Jungs sowie aus traumatischen Kriegserlebnissen. Damit ist sie aufs Engste verbunden mit wissenschaftlichen und politischen Umwälzungen der Zeit, nicht zuletzt durch Wolfsohns persönliche Geschichte als deutscher Jude. Der Vortrag gibt einen Überblick über Wolfsohns Arbeit und ihre Vorbedingungen und wirft Fragen zu Rezeption und Darstellung seiner Lehren auf.

Anne-May Krüger studierte Gesang an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig und an der Hochschule für Musik Karlsruhe, sowie Musikwissenschaft (Hochschule für Musik Karlsruhe). Besondere Schwerpunkte ihrer künstlerischen Arbeit liegen im Gebiet der Neuen Musik. Regelmäßig ist sie Gast auf Festivals wie Wien Modern, MaerzMusik und dem Lucerne Festival. Gastengagements führten sie unter anderem an das Nationaltheater Mannheim, die Oper Stuttgart und das Theater Basel. Die Verbindung von künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeit ist ihr ein spezielles Anliegen. Seit 2011 hat sie eine Assistenz mit Schwerpunkt »Aufführungspraxis der Neuen Musik« in der Abteilung Forschung und Entwicklung der Hochschule für Musik BaselMusikhochschulen Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) inne. Derzeit arbeitet Anne-May Krüger an einer Dissertation zum Einfluss von Vokalperformern auf das Repertoire der fünfziger und sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

www.annemaykrueger.de