Dr. Verena Schulz

Stimmen ohne Mikrophon: Training, Pflege und Stabilität der antiken Rednerstimme

Stimmen ohne Mikrophon: Training, Pflege und Stabilität der antiken Rednerstimme
Foto: Privat

Samstag, 01. Oktober 2016, 11h30 – 13h00

Wenn Cicero stundenlang in sengender Hitze vor Hunderten von Menschen auf dem Römischen Forum sprach, stellte das hohe Anforderungen an seine Stimme. Auch in der Antike holte sich die Rhetorik daher Rat bei der Medizin. Der Vortrag von Dr. Verena Schulz untersucht die Überschneidungen dieser beiden Wissenschaften in Bezug auf den mündlichen Auftritt des Redners in der Antike. Ausgehend von einer Einführung in den mündlichen Vortrag werden die Zeugnisse für antikes Stimmtraining und antike Stimmpflege untersucht. Welche Vorschriften gaben die Redelehrer zum Sprechen und welche medizinischen Vorstellungen zogen sie heran? Da insbesondere das Durchhalten beim Vortragen wichtig war, schauen wir uns eine Partie beim sogenannten Auctor ad Herennium, der im ersten Jahrhundert vor Christus über die Stimme schreibt, näher an. Er gibt dabei detaillierte Anweisungen für die Stimmstabilität, die auf medizinischen Ideen von der Stimmbildung basieren.

Dr. Verena Schulz ist Klassische Philologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo sie als wissenschaftliche Koordinatorin der Graduiertenschule Distant Worlds arbeitet. Nach dem Studium der Lateinischen und Griechischen Sprache und Literatur in Oxford (Master 2007) und der Allgemeinen Rhetorik, Latinistik und Germanistischen Mediävistik in Heidelberg und Tübingen (Magister 2008) wurde sie 2012 in München zum Thema »Die Stimme in der antiken Rhetorik« promoviert. Neben der antiken Rhetorik ist die römische Historiographie der Kaiserzeit ein Forschungsschwerpunkt. Mit der rhetorischen Darstellung von exzentrischen Kaisern wie Nero befasst sich auch ihr Habilitationsprojekt.