Sybil Lines, Florian Ahlborn

Zeitgemäß Sprechen & Kommunizieren / Choosing a vocal communicating style for today

Freitag, 30. September 2016, 14h00 – 16h00

Es ist hinlänglich bekannt, dass sich Sprechstile situativ verändern. Der Repräsentant eines Ministeriums wird im beruflichen Kontext eine andere Sprache und einen anderen Ton wählen als zu Hause mit seinen Kindern. Die Grenzen zwischen formeller und informeller Sprechweise verändern sich dabei zusehends. Audioaufnahmen aus Vergangenheit und Gegenwart zeigen deutliche Unterschiede zwischen den schillernden, dramatischen Reden von Politikern wie Churchill und Mussolini und den dagegen sehr direkten und knappen Berichten von Angela Merkel auf. So wandte sich in den 1970er Jahren die Werbebranche (sowohl textlich als auch sprecherisch) ab vom förmlichen Stil. Der Slang mit seiner saloppen Sprechweise hielt Einzug in der Werbung. Da Szenesprachen jedoch häufig einem steten Wandel unterliegen und dadurch schnell ungewollt komisch wirken, hat man sich in der amerikanischen Werbeindustrie inzwischen wieder mehr von unkonventioneller Sprache und kumpelhaftem Ton entfernt und verwendet wieder vermehrt einen direkten und bewusst gesetzten Sprach- und Sprechstil. Dies hat im Kontext des Theaters zur Folge, dass englischsprachige Schauspieler häufig einen inneren Kampf ausfechten. Welchem Aspekt geben sie den Vorzug: der Form, die die gebundene Sprache der Klassiker zwangsläufig mit sich bringt, oder der authentischen emotionalen Äußerung? Im täglichen Berufsleben stehen Manager und Geschäftsführer großer Firmen häufig vor ähnlichen Problemen.

Im Rahmen des Workshops bekommen die Teilnehmer deshalb die Möglichkeit, verschiedene Sprechstile auszuprobieren und können so erkunden, welcher Zugriff für welche Situation am effektivsten ist.

Die Kurssprache ist Englisch, Florian Ahlborn wird übersetzen.

Sybil Lines studierte drei Jahre Schauspiel an der Royal Central School of Speech and Drama London und war zwei Jahre lang Ensemblemitglied der Royal Shakespeare Company in London und Stratford-on-Avon unter dem Namen Marion Lines. Nach einer Amerika-Tournee mit der Komödie »London Assurance« übernahm sie eine Rolle am Broadway und arbeitet seitdem unter ihrem Mittelnamen, um Verwechslungen mit einer Schauspielerin gleichen Namens zu vermeiden. Sie war am Broadway unter anderem in den Stücken »Bedroom Farce«, »Waiting in the Wings«, »Lettice and Lovage« und »Aren’t We All« zu sehen. Während ihrer Karriere übernahm sie zahlreiche Rollen in England und den USA und war sowohl in modernen als auch klassischen Stücken zu sehen. Zu Ihrem Repertoire an Shakespeare-Rollen gehören unter anderem Viola, Rosalinde, Gertrude, Frau Hurtig, Frau Fluth, Julias Amme, Lady Capulet, Maria, Porzia, Alice, Königin von Frankreich und Lady Macbeth. Sybil Lines ist darüber hinaus eine gefragte Schauspiel-Dozentin und unterrichtete in London an der Central School of Speech and Drama sowie in New York beim Actors’ and Directors’ Lab., Circle in the Square, Weist Barron Academy und Corner Loft. Außerdem war sie Gast-Dozentin am Dreyfus Institute at Rollins College und an Universitäten in Florida, Alaska und Washington D.C.

www.sybillines.com

English version:

Choosing a vocal communicating style for today

There have always been different styles of speech depending on situation. An official for a government office will use more formal syntax and tone at work than when he is at home playing with his children. The levels of change from formal to informal alter with the times. Thanks to recording devices we can hear the examples of florid, dramatic speeches by politicians such as Churchill and Mussolini compared with the direct, spare reports given by Merkel. In advertising during the 1970s (written and spoken) the formal mode became unpopular. Hip slang was encouraged with its laid-back careless drawl. But, as slang quickly becomes dated and unintendedly foolish, the fashion today in American advertising has moved from quirky to straight-forward text and informal but well spoken speech. In the theatrical arena the English speaking actor is in a tug-of-war between the »recital« delivery of the classics as opposed to authentic emotional delivery. In the daily workplace public announcements by managers and Chief Executive Officers (CEOs) wrestle with the same choices. In this workshop participants will have the opportunity to try various styles of speech and experiment with what modes we judge as most effective. The session will be in English with German translation.

Sybil Lines trained as an actress for three years at the Royal Central School of Speech and Drama London and performed for two years with the Royal Shakespeare Company in London and Stratford-on-Avon under the name of Marion Lines. After touring America with London Assurance she took over a role on Broadway and to avoid confusion with another actress began to work under her middle name. Her Broadway credits include »Bedroom Farce«, »Waiting in the Wings«, »Lettice and Lovage«, and »Aren’t We All«. During seasons at theatres throughout England and the U.S.A. she has performed extensively in modern and classical plays tackling the material of many well-known playwrights including Oscar Wilde, Noel Coward, George Bernhard Shaw, J. B. Priestley, Arnold Wesker, Tony Kushner, Henrik Ibsen and Samuel Beckett. Her classical roles have included Shakespeare’s Viola, Rosalind, Lady Macbeth, Gertrude, Mistress Quickly, Mistress Ford, Juliet’s Nurse, Lady Capulet, Maria, Portia, Alice and the Princess of France as well as Webster’s Julia in the »Duchess of Malfi«, Euripides’ Jocasta, Moliere’s Elise in »The Miser« and Chekov’s Masha in »The Three Sisters« (Helen Hayes Award nomination). Ms. Lines has taught drama at London’s Central School and in New York at the Actors’ and Directors’ Lab on 42nd Street, Circle in the Square, Weist-Barron Academy and the Corner Loft Studios. She has guest lectured at the University of Florida, the Dreyfus Institute at Rollins College and devised a »Movement Course for Shakespeare« at Catholic University Washington D.C.

Foto: Florian Ahlborn

Florian Ahlborn absolvierte sein Studium zum Diplom-Sprecher und Diplom-Sprecherzieher an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart bei Annikke Fuchs-Tennigkeit. Daneben bildete er sich in zahlreichen Meisterkursen in den Bereichen Gesang und Schauspiel weiter und nahm zusätzlich einen Auslandsaufenthalt an der Circle in the Square Theatre School in New York, USA, wahr, der ihn darin bestärkte, sich pädagogisch vor allem dem Genre Musical zuzuwenden.

Seine Lehrtätigkeit als Sprecherzieher führte ihn bereits an die Dance & Arts Academy for the Performing Arts Mainz, die Fremdsprachenschule im Kolping-Bildungszentrum Heilbronn, die Opernschule der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart sowie die Eberhard Karls Universität Tübingen.

2012 wurde er Lehrbeauftragter für das Fach Sprechen im Studiengang Musical an der Folkwang Universität der Künste Essen, seit 2013 ist er zusätzlich Dozent für das Fach Sprecherziehung an der Joop van den Ende Academy Hamburg.

Seit dem Sommersemester 2016 ist er Künstlerischer Mitarbeiter für Sprecherziehung an der Hochschule für Musik und Theater Rostock.

Neben seiner Arbeit als Pädagoge hat sich Florian Ahlborn außerdem zu einem gefragten Interpreten für Lesungen, musikalisch-literarische Bühnenprogramme und Literaturreisen entwickelt, die ihn unter anderem nach Belgien, Südtirol, Frankreich und Polen führten. Zeugnisse seiner vielfältigen Studiotätigkeit sind darüber hinaus die Hörspiele »Die Maschine« und »Carneval in Paris« sowie die Buchpublikation »Die Quellen sprechen lassen«.

www.florian-ahlborn.de

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