Wissenschaftsfragen

Was wollen die Wissenschaften? Was soll diese Wissenschaft? Trügerisch einfachen Fragen wie diesen gehen das Internationale Zentrum für Kultur- und Technikforschung (IZKT) der Universität Stuttgart, das Literaturhaus Stuttgart und die Akademie für gesprochenes Wort in der Reihe »Wissenschaftsfragen« nach. Unter der Moderation des Kritikers und Essayisten Joachim Kalka laden wir führende Repräsentanten verschiedener Einzelwissenschaften jeweils zu einem Abendgespräch zur besonderen Logik und Problematik ihres Faches ins Literaturhaus ein.

Rückblick 2017

Gespräch mit Gabriele Brandstetter

Gespräch mit Gabriele Brandstetter
(Foto: Christina Stivali)

Gabriele Brandstetter, geboren 1954, hat die erste Professur inne, in deren Stellenbeschreibung neben der Theaterwissenschaft ausdrücklich die Tanzwissenschaft genannt wird (an der FU Berlin). Sie verleiht dieser Disziplin durch ihre subtile, breitgefächerte Publizistik planmäßig Züge einer Wissenschaft von der Körperlichkeit, vom Körper in Bewegung. In vielfachen Berührungen mit benachbarten Disziplinen, aufbauend auf Literatur- und Theaterwissenschaft, untersucht sie Themenkomplexe wie »Figur und Figuration«, »Bild und Bewegung«. Das Gespräch, das Joachim Kalka in der Reihe »Wissenschaftsfragen« mit Gabriele Brandstetter führte, stellt in den Mittelpunkt die Frage nach den Möglichkeiten einer Verwissenschaftlichung des Körperlichen, Bewegten, ästhetisch Flüchtigen.

Gespräch mit Peter Gülke

Gespräch mit Peter Gülke
(Foto: Steffi Loos)

In der Reihe »Wissenschaftsfragen« führt Joachim Kalka ein Abendgespräch mit einem der bedeutendsten Musikwissenschaftler und Dirigenten der Gegenwart: dem 1934 geborenen Peter Gülke, der in Dresden, Weimar, Freiburg und Basel gewirkt und gelehrt hat und derzeit Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker ist. Zuletzt ist 2015 sein Buch Musik und Abschied erschienen, das subtile Analyse des musikalischen Materials mit sehr persönlichen autobiographischen Empfindungen und Reflexionen verbindet. Was die Sprache in und mit der Musik bewirken kann, was sie vis-à-vis der Musik kritisch zu leisten vermag – auch davon wird das Gespräch mit Gülke handeln, der mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa und dem Bayerischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Rückblick 2016

Gespräch mit Barbara Vinken

Gespräch mit Barbara Vinken
(Foto: Kurt Rade)

Die 1960 geborene Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Barbara Vinken, die nach verschiedenen Lehrtätigkeiten an Universitäten Europas und der USA seit 2004 in München unterrichtet, hat in ihrem umfangreichen OEuvre auf überraschende Weise die Reflexion über klassische Gegenstände der Literaturwissenschaft mit der Arbeit an Themen wie Mode, Pornographie, »dem Körper« verbunden, ohne je der Gefahr des seinerseits Modischen zu erliegen. Versuche wie Die deutsche Mutter (2001) oder Angezogen. Das Geheimnis der Mode (2013) stehen in ihrem Werk neben Studien über die Romane von Richardson und De Laclos (1991) oder Du Bellay und Petrarca: Das Rom der Renaissance (die Habilitationsschrift 2001).

Zwei Autoren, denen ihre besondere Aufmerksamkeit gilt, sind Flaubert und Kleist. Man könnte in ihrem Werk die Konturen einer Philologie erkennen, welche die zusehends hermetischen Scharmützel des »Dekonstruktiven« hinter sich gelassen hat, um sich ohne eine Minderung des Theorieinteresses erneut der Fülle der Texte zuzuwenden.

In der Reihe »Wissenschaftsfragen« führte Joachim Kalka ein Gespräch mit Barbara Vinken über Themen (um den Titel des von ihr mitverfaßten Flaubert-Wörterbuchs zu zitieren): »Von Arsen bis Zucker«.

Gespräch mit Dan Diner

Gespräch mit Dan Diner
(Foto: privat)

Der 1946 in München geborene Historiker und Publizist Dan Diner, der 1999 Gründungsdirektor des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig wurde, hat die Geschichte des Judentums immer wieder zum Prüfstein und Seismograph der Moderne gemacht. Seine Tätigkeit als akademischer Lehrer und sein umfangreiches historiographisches und kritisches Werk haben diese Frage zum Zentrum. Forschung und Publizistik haben einen Höhepunkt mit dem Projekt eines profund konzipierten Nachschlagewerks erreicht: der soeben (bis auf den Registerband) abgeschlossenen und unter der Herausgeberschaft von Dan Diner erschienenen Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur.

Dieses Werk stellt so etwas wie eine paradoxe Neuerfindung der Enzyklopädistik aus den Trümmern des Fortschrittsdenkens dar. Drei Stichworte, die der Herausgeber selbst verfasst hat, sind Restitution, Verschwörung und Weltgeschichte. Diese Begriffe umkreisen praktisch, theoretisch, ideologiekritisch die Frage, wie nach der Katastrophe des Nationalsozialismus der Geschichtszusammenhang zu denken ist.

Rückblick 2015

Gespräch mit Martin Warnke

Gespräch mit Martin Warnke

Martin Warnke, Emeritus der Universität Hamburg, der in der Tradition der Bibliothek Warburg die »Forschungsstelle für politische Ikonographie« aufbaute (und vor einem halben Jahrhundert für die Stuttgarter Zeitung über den Auschwitz-Prozess in Frankfurt berichtete). Warnke, einer der bedeutendsten Vertreter seiner Disziplin, hat diese von seiner Rede auf dem XII. Deutschen Kunsthistoriker-Kongress 1970 über »Weltanschauliche Motive in der kunstgeschichtlichen Populärliteratur« bis zu seiner Monographie über Velázquez (2007) und seinen jüngsten Aufsätzen mit vielfältigen Interventionen geprägt.

Gespräch mit Prof. Dr. Michael Hagner

Gespräch mit Prof. Dr. Michael Hagner

Zum Auftakt der Reihe am 22. April 2015 war Professor Michael Hagner, ETH Zürich, zu Gast, ein bedeutender Vertreter der Wissenschaftsforschung und Wissenschaftsgeschichte. Hagner, zu dessen Veröffentlichungen »Geniale Gehirne. Zur Geschichte der Elitegehirnforschung« und »Der Hauslehrer. Die Geschichte eines Kriminalfalls« zählen, hat wichtige Studien zur Medizin- und Psychiatriegeschichte, zur Körperlichkeit und Kybernetik vorgelegt.