Dienstag , 07. November 2017 | 18h00, Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss

Von Fabelwesen, Halbmenschen und wundersamen Ländern. Antike Vorstellungen von den äußersten Grenzen der bewohnbaren Welt.

Dr. Jonas Scherr, Ulrike Möller

Aber neben den Skythen, die gegen Norden wohnen, nicht weit vom Ursprung des Nordostwindes und der diesem zugeschriebenen Höhle, […], führt man die schon erwähnten Arimaspen an, deren Kennzeichen ein einziges Auge mitten auf der Stirn ist. Diese sollen wegen der Erzgruben in ständigem Kriege mit den Greifen leben, […], einer Art wilder Vögel, welche Gold aus den Gängen scharrt , wobei es die Tiere mit erstaunlicher Gier bewachen, während die Arimaspen es ihnen rauben […]. (Plin. Nat. 7,9-11)

Am Rand der bekannten Welt verorten griechische und römische Schriftsteller, wie im zitierten Beispiel der ältere Plinius, ganz regelmäßig fantastische Kreaturen und Landschaften. Im Vortrag sollen aus der Vielzahl der sich in entsprechenden Texten bietenden Skurrilitäten und Absonderlichkeiten einige besonders eindrückliche Beispiele näher vorgestellt werden. Dabei wird ein weiter chronologischer Bogen von Homer bis Solin geschlagen werden. Von besonderem Interesse werden in der Analyse der Exempel dann die erstaunliche Kontinuität und Persistenz solcher Mirabilia in der antiken Literatur sowie ihre Aussagekraft über Wissen und Wissenschaftlichkeit, aber auch über die Mentalität der sie hervorbringenden Gesellschaften sein.

Jonas Scherr ist wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Alte Geschichte der Universität Stuttgart. Seine Forschungsinteressen gelten der römisch-lateinischen und griechischen Geistes- und Literaturgeschichte, den ‚Randbereichen‘ der antiken Mittelmeerwelt sowie – in methodischer Hinsicht – der Epigraphik.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Historischen Institut der Universität Stuttgart und dem Landesmuseum Württemberg.