Das Literarische Portrait

In der Reihe »Das Literarische Portrait« werden Autoren aus Vergangenheit und Gegenwart durch Lesungen und Vorträge, durch Interpretationen und Gespräche in möglichst viele Perspektiven gestellt, so dass sich facettenreiche neue Darstellungen ihrer Persönlichkeit und Werke ergeben.

Rückblick

Martin Luther und Christian Friedrich Daniel Schubart

Martin Luther und Christian Friedrich Daniel Schubart
In der Akademie-Reihe »Das literarische Portrait« wurden in diesem Jahr zwei große Sprachschöpfer, Martin Luther und Christian Friedrich Daniel Schubart, zu einem Doppelportrait verbunden; die Jubiläen von Luthers Thesenanschlag und Schubarts Verhaftung bildeten dabei den Anlass.

Freitag, 16. und Samstag, 17. Juni 2017 | Das literarische Doppelportrait
Martin Luther und Christian Friedrich Daniel Schubart
Akademie für gesprochenes Wort

Der große sächsische Reformator und der mutige Schriftsteller aus Schwaben kämpften – im Wortsinn – für die ›Mündigkeit‹ der Menschen im Land. Der Theologe des 16. wie auch der Künstler und Journalist des 18. Jahrhunderts riskierte auf je eigene Weise sein Leben für Ideale, zu denen nicht zuletzt die Erneuerung der deutschen Sprache, ihre Befreiung von Fremdbestimmtheit und elitärer Gelehrsamkeit gehörten. Beide wurden für diese Ideale von der Obrigkeit gedemütigt, verfolgt und inhaftiert und blieben doch standhaft. Für Luther wie für Schubart war die gesprochene Sprache des Volkes der Maßstab, an dem sich eine erneuerte deutsche Sprache zu messen hatte.

»Das literarische Portrait« stellt Luther und Schubart in vielfältige historische, wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven:
Sprach- und Literaturwissenschaftler, darunter etwa Matthias Luserke-Jaqui, Autor des jüngst erschienen Bandes Die Nachtigall die waget. Luther und die Literatur und Hartmut Günther, Verfasser des Sprachbreviers Mit Feuereifer und Herzenslust: Wie Luther unsere Sprache prägte, referieren und diskutieren die sprachschöpferische Leistungen und Wirkungen der beiden. Der Filmemacher Jan Galli stellt sein Schubart-Filmprojekt vor und der soeben mit dem Clemens Brentano-Preis ausgezeichnete Autor Jan Snela präsentiert erstmals seinen Christian Friedrich Daniel Schubart gewidmeten Prosatext.

Zwei hochkarätige Abendveranstaltungen runden das Programm ab: am Freitag das LeseConcert »Worte in aller Ohren und Herzen« – »Feuerflocken in die Seele« mit Texten von Luther und Schubart, vorgetragen vom Ensemble der Akademie, und am Samstag ein ›besonderer Abend‹ mit dem Sternekoch, Autor und Künstler Vincent Klink, der seinen Essay Unter dem Kreuz des Despoten: Christian Friedrich Daniel und Helene Schubart performt.

Den Programmflyer mit allen Zeiten und Details zum Ablauf können Sie hier herunterladen.

Die Gesprächskunst Alexander Kluges

Die Gesprächskunst Alexander Kluges
Sympsion mit Abendvortrag Alexander Kluges (16. Januar 2016) und Filmmatinee (17. Januar 2016)

Chats, Short Messages und Tweets lassen vergessen, dass das Gespräch einmal als höchste Entwicklungsstufe der Sprache galt, als Voraussetzung und Bedingung des menschlichen Denkens. Doch auch das Medienzeitalter hat seine Formen hochstehender Gesprächskultur: ganz vorne das faszinierend-verstörende Werk von Alexander Kluge, in dem das Gespräch von zentraler Bedeutung ist – als anthropologisches Spielfeld, Kunstform und digitalisiertes Massenmedium.

Kluges Texte und Filme prägen offene Strukturen, sein Denken ist schweifend und kreist um Bedeutungsfelder. Feste Standpunkte interessieren ihn ebenso wenig wie zentralistisches, hierarchisches oder teleologisches Denken; stattdessen sucht er nach dem Weggelassenen, Liegengebliebenen, Verdrängten, scheinbar Nebensächlichen. Genau deshalb ist das Gespräch für Kluge eine so wichtige Form: hier kann man sich – angeregt durch den Gesprächsverlauf und seine Gesprächspartner – seinen Einfällen und Assoziationen überlassen.

In seinen TV-Kulturmagazinen, Erzählungen und Spielfilmen kreiert Kluge einzigartige Gesprächsverläufe, in denen Logik, Kausalität und Kohärenz bewusst missachtet werden. Semantische Brüche und unvorhersehbare Wendungen legen neue gedankliche Perspektiven frei, Leser und Zuschauer werden in ungewohnter Weise gefordert – sie müssen sich produktiv um neue Denkmöglichkeiten bemühen, werden unversehens zum Dialogpartner.

Die Gesprächskunst Alexander Kluges. Selbstvergessen die Aufmerksamkeit auf das Gegenüber richten ist eine gemeinsame Veranstaltung der Akademie für gesprochenes Wort und der Universität Stuttgart (IZKT, Institut für Literaturwissenschaft) in Kooperation mit der Stadtbibliothek Stuttgart und dem Arthaus Filmtheater Stuttgart.
In Vorträgen, Diskussionen und Alexander Kluges Abendvortrag So erwachte das Ohr und damit die Sprache. Das Prinzip Mündlichkeit sowie einer von ihm selbst zusammengestellten Film-Matinee der TV-Gespräche Über Unterschiede beim Sprechen steht Alexander Kluges Gesprächskunst mit seiner anspruchsvollen Konzeption in Theorie und Praxis, Film und Text ganz im Mittelpunkt.

Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und dem Veranstaltungsorten finden Sie hier:
Symposium: Die Gesprächskunst Alexander Kluges (Senatssaal der Universität Stuttgart)
Abendvortrag: So erwachte das Ohr und damit die Sprache. Das Prinzip Mündlichkeit (Max-Bense-Forum)
Filmmatinee: Über Unterschiede beim Sprechen (atelier am bollwerk)

Dantes Göttliche Komödie, 2015

Dantes Göttliche Komödie, 2015
19. bis 28. November 2015, Akademie für gesprochenes Wort, Dante-Jubiläum aus Anlass des 750. Geburtstags von Dante Alighieri

Die Göttliche Komödie ist eine, wegen der Modernität ihrer Konzeption, erstaunliche Schöpfung. Sie lässt sämtliche mittelalterliche Visionen weit hinter sich zurück und ist eine poetische Wanderung durch die drei Reiche der Hölle, des Fegefeuers und des Paradieses. Auf dieser Reise erlebt Dante bewegende Begegnungen mit verstorbenen Zeitgenossen und großen Menschen des Altertums inmitten phantastischer Landschaften.

Aus Anlass des 750. Geburtstag des Dichters wird das Meisterwerk des italienischen Dichters, entstanden 1307-1321, an sechs Tagen in der Akademie für gesprochenes Wort studiert, gedeutet und rezitiert. Vor den Rezitationen, die an vier Abenden aus den Höllenkreisen ins Paradies führen, bietet Cesare De Marchi jeweils eine Einführung in das voraussetzungsreiche Werk an und kommentiert ausgewählte, zentrale Passagen, deren schönste deutsche Übersetzungen im Anschluss durch renommierte Sprecher vorgetragen werden. In zwei Abendkursen bietet Franca Janowski Interessenten die Möglichkeit, die eigene Lektüre zu vertiefen und Fragen zum Werk zu diskutieren.

Eine Kooperation der Dante Gesellschaft Stuttgart, der Universität Stuttgart und der Akademie für gesprochenes Wort.

Eugen Gomringer zum 90. Geburtstag, 2015

Eugen Gomringer zum 90. Geburtstag, 2015

Eugen Gomringer, 2015 (Foto: die arge lola)

Der Dichter und Ästhetiker gehört zu den wichtigsten Vertretern der »Konkreten Poesie«, welche in den sechziger Jahren und auch später der Literatur entscheidende Impulse gegeben hat.

Lou Andreas-Salomé, 2011

Lou Andreas-Salomé, 2011

Lou Andreas-Salomé mit Paul Rée und Friedrich Nietzsche (Foto: Nachlass Fritz Mauthner)

»Wir wollen doch sehn, ob nicht die allermeisten sogenannten ,unübersteiglichen Schranken‘ die die Welt zieht, sich als harmlose Kreidestriche herausstellen!«
Lou Andreas-Salomé, 1882

Lou Andreas-Salomé (1861—1937) – Schriftstellerin, Erzählerin, Essayistin und Psychoanalytikern. Was bis heute jedoch im kollektiven Gedächtnis von der Tochter einer russisch-deutschen Familie geblieben ist, sind ihr unkonventioneller Lebensstil und ihre Freundschaften zu namhaften Zeitgenossen. Das schriftstellerische Werk lag bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinter der schillernden Persönlichkeit verborgen, obwohl sie ein umfangreiches Gesamtwerk zu zentralen Fragen der Moderne hinterlassen hat: Romane, Erzählungen, Essays, Theaterkritiken, Schriften über Ibsen, Nietzsche, Rilke und Freud, eine Autobiographie, zahlreiche Texte über Philosophie und Psychoanalyse sowie einen umfangreichen Briefwechsel.

Das Literarische Portrait – eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach – widmete sich diesem Nachlass im Dezember 2011 in Vorträgen und Diskussionen.