LiteraturGespräch

Das »Literaturgespräch« beginnt jeweils mit einem einführenden Vortrag und leitet mit einer Lesung von Studierenden der Sprecherziehung oder Mitgliedern des Sprecherensembles zum gemeinsamen Gespräch über den vorgestellten Text oder das Thema über.

Leitung: Dr. Guntram Zürn

Rückblick 2017

Ein Abend zu Jane Austens 200. Todestag

»Kein Mensch kann sich vorstellen, wie schön der Spaziergang um den Obstgarten herum geworden ist. Die Buchenreihe sieht wirklich sehr schön aus, genau wie die frisch gepflanzte Hagedornhecke im Garten. – Heute wurde mir berichtet, dass an einem der Bäume eine Aprikose gesichtet wurde« (Brief von Jane Austen an ihre Schwester Cassandra, Chawton Cottage, 31. Mai 1811).

Im Sommer 1809 bezog Jane Austen das Chawton Cottage, ihren letzten Wohnort. Hier wurden ihre ersten drei Werke Verstand und Gefühl, Stolz und Vorurteil sowie Die Abtei von Northanger druckfertig redigiert und die Romane Mansfield Park, Emma und Überredung geschrieben. Heute ist hier das »Jane Austen House Museum« untergebracht.

Im LiteraturGespräch bekamen Sie Einblicke in Leben und Werke der größten englischen Romanschriftstellerin. Facetten aus Austens Alltag und die englische Lebensart des beginnenden 19. Jahrhunderts werden beleuchtet. Austens einzigartiger Stil steht im Mittelpunkt. Ironisch, geistreich, aphoristisch, originell einerseits – Revolution des Sittenromans andererseits:

It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife – Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein alleinstehender Mann im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau (Jane Austen: Stolz und Vorurteil).

Der Roman hat sich 20 Millionen Mal verkauft. Ein Zitat aus ihm ziert den neuen 10-Pfund-Schein. Austens wachsende Popularität beginnt mit einer Rezension Sir Walter Scotts und erreicht uns in geglückten Verfilmungen ihres Werks, ob als Serie oder als Spielfilm.

Rückblick 2016

›Der Sandmann‹ und ›Das Fräulein von Scuderi‹

Ein Abend zu E.T.A. Hoffmanns Erzählungen Das Fräulein von Scuderi und Der Sandmann mit der Frage: Wie lassen sich Gespenster des Alltags literarisch bannen?
Die Kritik und literarische Würdigung von Hoffmanns Novelle Das Fräulein von Scuderi durch den Romancier und Journalisten Willibald Alexis schließt die Erzählung Der Sandmann zwar nicht ein, schlägt aber die entscheidende Brücke zwischen den beiden „Prunkstücken“ von Hoffmanns weltbekannten Erzählzyklen Serapionsbrüder und den Nachtstücken: Hoffmann verbindet das Schauerliche mit den Wissenschaften und „beschreibt“ einen Weg zur Befreiung seiner LeserInnen von den Gespenstern ihres Alltags. Seine Mittel der poetischen Suggestion und deren Auflösung interessierten bereits Sigmund Freud, ob dieses Rezept wohl zeitlos wirkt?

Ein Abend zu Franz Werfels 70. Todestag: »Eine blaßblaue Frauenschrift«

»Was war das für ein unbegreiflicher, was für ein unwürdiger Schreck vorhin, als ihn mitten unter seiner gleichgültigen Post plötzlich ihr Brief angestarrt hatte? Es war ein Schreck aus den Anfängen des Lebens ganz und gar. So darf ein Mann nicht erschrecken, der die Höhe erreicht und seine Bahn fast vollendet hat. Zum Glück hatte Amelie nichts davon bemerkt. Warum dieser Schreck, den er noch in allen Gliedern spürte?«

Wien 1936, zwei Jahre vor dem ›Anschluss‹ Österreichs schneit der Brief mit der blassblauen Frauenschrift herein: Er überrascht den Parvenü Leonidas, Sektionschef im Unterrichtsministerium und seine Frau Amelie, eine der reichsten Erbinnen des Landes am Frühstückstisch. Das Bittschreiben bringt ihn ins Wanken – seine große Liebe, eine Jüdin, bittet um Unterstützung.
Werfel verfasste das Psychogramm eines Opportunisten, das gleichzeitig Liebesverrat und politische Ränke verhandelt, als Flüchtling vor den Nationalsozialisten im französischen Sanary-sur-Mer nahe Marseille. Er arbeitet darin den latenten ›Salonantisemitismus‹ großer Teile der österreichischen Elite vor dem Anschluss Österreichs 1938 auf; eines Systems, das er als geschätzter Schriftsteller und enger Vertrauter des Bundeskanzlers Kurt von Schuschnigg selbst bestens kannte und vor dem ›Anschluss‹ zu bewahren suchte. 1940 wird er nicht umsonst an die Spitze der französischen Auslieferungsliste gesetzt…

Rückblick 2015

Mythos Europa - wohin trägt uns der Stier?

Folgen Sie den Spuren des antiken Mythos in der Literatur von seinen Ursprüngen bis heute, von Ovid bis Heiner Müller.

Fußend auf Texten von Homer bis Durs Grünbein wird in Vortrag, Lesung und Gespräch der spannenden Entführungsgeschichte nachgegangen. Kreuz und quer verlaufen die Spuren des Mythos Europa. Ihre Topographie reicht von göttlichem Begehren bis hin zur Hoffnung auf die sanfte Stärke der multikulturellen Union.

Die antike Geschichte von Zeus und der phönizischen Prinzessin bedeutet auch für das gegenwärtige Europa eine Herausforderung: Was hat der Mythos mit dem modernen Europa zu tun? Und, in wie weit betrifft er unser heutiges Europaverständnis? Enthält er Perspektiven, Impulse und vielleicht Konstanten des kulturellen Bewusstseins Europas? Kann er sogar ein brauchbarer ‚Ursprungsmythos‘ für das moderne Europa sein?

Empfohlene Ausgabe: Mythos Europa. Texte von Ovid bis Heiner Müller, hg. von Almut-Barbara Renger (Reclam 2003)

Rückblick 2014

Kairos einer Kutschfahrt: Zum 250. Geburtstag von Johann Friedrich Cotta

Dem Aufstieg des »Napoleons der Verleger« auf der Spur: Während eines sonnigen Sonntagsausflugs legen Cotta und Schiller den Grundstein für den Ruhm der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung.

Zum 90. Todestag von Franz Kafka: »Das Schloss«

»Sein Werk soll gelesen werden, solange noch gedacht, gesprochen und gelesen wird in unserer Sprache.« Dieser Aufforderung Klaus Manns kommt der Abend in Vortrag, Lesung und Gespräch nach. Im Mittelpunkt steht Franz Kafkas ›Roman‹ Das Schloss. Kafkas Sicht auf Behörden erfährt in seinem letzten ›Roman‹ eine ganz besondere Ausformung.