Transdisziplinäres Institut für Stimmforschung

Das »Transdisziplinäre Institut für Stimmforschung« an der Akademie für gesprochenes Wort führt künstlerische, therapeutische und wissenschaftliche Arbeiten in Theorie und Praxis auf den zentralen Gebieten des vokalen Ausdrucks zusammen.

Interview mit Prof. Uta Kutter

Interview mit Prof. Uta Kutter

Uta Kutter im Gespräch (Foto: die arge lola)

Im Jahre 2000 wurde in der Akademie das Transdisziplinäre Institut für Stimmforschung gegründet. Was darf man sich darunter vorstellen?

Hier geht es mir darum, künstlerische, therapeutische und wissenschaftliche Arbeiten in Theorie und Praxis auf den Gebieten des vokalen Ausdrucks zusammenzuführen. Es werden alle zwei Jahre Spezialisten aus verschiedenen Fachrichtungen zu einem wissenschaftlichen Kolloquium eingeladen. So ging es 2005 beispielsweise um Emotion und Stimme. Ein wichtiges Thema für die nächste Zeit wäre die Zusammenstellung einer gemeinsamen Fachterminologie.

Marina Sandel im Gespräch mit Uta Kutter – vox humana, 7-2007

Rückblick

Über Stimmen kommunizieren, 2008

Über Stimmen kommunizieren, 2008
(Foto: Rainer Moeller)

Prof. Dr. Bernhard Richter im Vortrag (Foto: Rainer Möller)

Unter der Leitung von Prof. Dr. Bernhard Richter und Prof. Dr. Hans-Ulrich Schnitzler

Mit dem Phänomen Stimme beschäftigen sich sehr unterschiedliche Spezialdisziplinen, die noch keine gemeinsame Begrifflichkeit und Sprache entwickelt haben. Der Bioakustiker redet und schreibt anders über Stimmen als der Phoniater. Gesangslehrer und Sprecherzieher haben ein spezielles Vokabular, wenn sie Stimme lehren. Stimmkritiker tun sich schwer, die spezifischen Qualitäten von Sprech- und Singstimmen so zu beschreiben, dass ihre Kritiken einen nachvollziehbaren Eindruck vermitteln. Der Kriminalist sucht nach quantifizierbaren Eigenschaften, wenn er die Stimme als Personalausweis benützt. Ähnliches macht der Psychologe, der die durch Prosodie und Stimmqualität vermittelten Emotionen aufzeigt. Der Historiker definiert Formen für die Beschreibung der sich ändernden Sing- und Sprechstile und der Literaturwissenschaftler klassifiziert die vielen Möglichkeiten, wie Stimmen in Texten dargestellt werden. Schon innerhalb der verschiedenen Fachgebiete ist es schwierig, das Phänomen Stimme eindeutig und nachvollziehbar zu beschreiben. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn über die Fachgebiete hinweg beim Reden über Stimme häufig aneinander vorbei geredet wird.

Das Transdisziplinäre Institut für Stimmforschung an der Akademie für gesprochenes Wort Stuttgart hat mit dem Workshop »Über Stimme kommunizieren« dieses Problem aufgegriffen und in einem vergleichenden Ansatz versucht, allgemein verständliche und die Fächer übergreifenden Beschreibungsformen für Stimme zu erarbeiten.